Paulin Paloma Klärner, BA

Was hat es mit dem Alzheimer-Protein auf sich?

Bei AlzheimerpatientInnen sterben nach und nach die Nervenzellen im Gehirn ab, was infolge zu Neurodegeneration führt. Doch wie genau kann man sich das vorstellen?

Das menschliche Gehirn besteht aus über 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), die durch Kontaktstellen (Synapsen) miteinander verbunden sind. Unsere Nervenzellen verarbeiten laufend Informationen, die durch bestimmte Botenstoffe (Neurotransmitter) von einer Zelle zur anderen weitergeleitet werden. Wenn Neuronen zugrunde gehen, dann sind diese Funktionen immer mehr gestört. Es entwickelt sich eine Demenzerkrankung.

Alzheimer: Rasanter Abbau der geistigen Fähigkeiten

Unter dem Begriff „Demenz“ werden verschiedene Ausformungen der Zellzerstörung im Gehirn, welche mit kognitiven Störungen einhergehen, zusammengefasst – eine davon ist die Alzheimer-Erkrankung, die als häufigste Form der Demenz gilt. Bei Alzheimer kommt es in ganz besonderem Maße zu einem beschleunigten Zelluntergang, der einen raschen Abbau der kognitiven Fähigkeiten mit sich zieht. Zu den ersten Symptomen zählen unter anderem Gedächtnis-, Denk- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, sowie Störungen des Urteilsvermögens.

Eiweißablagerungen in den Nervenzellen

Welche genauen Ursachen der komplexen Alzheimer-Erkrankung zugrunde liegen, ist nach wie vor nicht gänzlich geklärt. In den Gehirnen verstorbener Alzheimer-Patienten findet man Ablagerungen: Das Tau-Protein und das das Beta-Amyloid (Aß). Diese Proteine sind bei Alzheimer an der Zerstörung von Nervenzellen beteiligt. Mittlerweile zeigt sich allerdings immer mehr, dass die Ablagerungen eher Überbleibsel als Auslöser des zerstörerischen Prozesses sind. Heute wird vermehrt die Vorstufe APP (Amyloid Precursor Protein) als wichtigster Treiber des Krankheitsgeschehens erachtet. 

Chronische Entzündungsprozesse durch infektiöse Oligomere

Das Amyloid Precursor Protein APP kommt nicht nur im Gehirn, sondern im ganzen Körper vor. Die größte Menge davon ist in den Blutplättchen (Thrombozyten) vorhanden. Wenn Entzündungsprozesse an der Blut-Hirn-Schranke ablaufen, werden Thrombozyten angelockt, APP wird aktiviert und schließlich in Aß-Bruchstücke gespalten, welche sich zu Oligomeren zusammenlagern. Diese wirken zerstörerisch auf die Zellen. Entzündungen werden häufig durch Infektionen mit Mikroorganismen ausgelöst und chronifizieren sich in einem Wechselspiel mit Entzündungsvorgängen. Die Zerstörung von Zellen der Blut-Hirn-Schranke durch chronische Entzündungen verstärkt deren Dysfunktion. Die infektiösen Aß-Bruchstücke befallen immer weitere Zellen und tragen die Zellzerstörung in immer tiefere Bereiche des Gehirns. Das damit einhergehende Absterben der Nervenzellen führt schließlich zum schrittweisen geistigen Verfall.
 

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